Glossar

Zahnerkrankungen beim Heimtier

Zu den leidigsten Fällen, die in der Tierarztpraxis vorgestellt werden, zählen sicherlich die verschiedenen Probleme mit den Zähnen. Nicht selten stellen sie sogar den Grund für eine Euthanasie des Tieres dar, wenn absehbar ist, das ein weiterleben nur unter Leiden und Schmerzen möglich ist. Daher sollte es umso wichtiger sein, besonders auf die Zahngesundheit zu achten. Nagerzähne wachsen mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich ca. 1,2 bis 2,0  mm pro Woche.  Dies zeigt, wie immens wichtig es ist, ständig für genügend Möglichkeit zum Zahnabrieb zu sorgen. Denn neben falschem Futter sind die Gründe für einen ungenügenden Zahnabrieb und die daraus resultierenden Folgen vielfältig: 

Angeborene Fehlstellungen der Zähne, sodass das Gegenschliffprinzip nicht funktioniert, sieht man häufig bei Zwergkaninchen, die auf extreme Rundköpfigkeit gezüchtet sind. Der Oberkopf wird durch die starke Biegung der Nase zu kurz um mit den Zähnen des Unterkiefers einen korrekten Kauakt durchzuführen. Bei diesen Tieren muß, damit sie überhaupt fressen können, regelmäßig eine Zahnbehandlung durchgeführt werden. Im Extremfall, kann dies alle 14 Tage der Fall sein. Die Abbildung zeigt das abnorme Wachstum der Schneidezähne eines betroffenen Kaninchens.

 

Es kann auch vorkommen, dass sich ein eigentlich  gesundes Gebiss eine Fehlstellung „antrainiert“. Dies kann z.B. schon vorkommen, wenn ein Schneidezahn abbricht und der auf der anderen Kieferseite liegende Gegenzahn sich nun aufgrund des mangelnden „Partners“ nicht abreiben und nunmehr zu lang wachsen kann. In einem solchen Fall ist es möglich, das sich die Zähne schräg  abschleifen. Im Extremfall liegen die Schneidezähne des Ober- und Unterkiefers irgendwann parallel nebeneinander. Die Folge hierbei ist ein Kieferfehlstand, der auch die Backenzähne in Mitleidenschaft zieht, die nun aufgrund des mangelhaften oder fehlenden Kontakts zueinander ein unregelmäßiges Wachstums zeigen, wie z.B. Brücken über die Zunge oder auch Zahnhaken/-spitzen, die in Zunge oder Wangenschleimhaut pieken und somit die Futteraufnahme behindern. Im Foto ist eine solche Brückenbildung der Unterkieferbackenzähne zu sehen. Ein Tasthaken liegt unter der „Zahnbrücke“ auf der Zunge.

Sind diese Probleme noch eher „einfach“ zu behandeln, sofern der aufmerksame Halter rechtzeitig reagiert, so gibt es auch Fälle, die einer gründlicheren Ursachenforschung bedürfen. Prinzipiell sollte die  Inspektion des Mundraumes gründlich durchgeführt werden. Ein Otoskop ist nur bedingt geeignet. Um einen gründlichen Überblick zu erhalten, ist es nötig, das Maul des Tieres mittels geeigneter Hilfsmittel zu öffnen, um, bei guter Beleuchtung auch in den hintersten Winkeln des Maules nach Veränderungen zu suchen. Das Foto zeigt eine Verletzung des Zungengrundes durch die Spitze eines Backenzahnes. Am oberen und unteren Bildrand ist ein Maulsperrer zu sehen, der den Kiefer öffnet, auf der linken Seite befindet sich ein Wangenspreizer, der die Mundhöhle auch zur Seite hin aufmacht. Mit einem Tasthaken wird die Zunge zur Seite gedrückt.

Auch wenn man bei einer Untersuchung eine Brückenbildung oder Backenzahnspitzen als scheinbar offensichtliche  Ursache feststellt, kann das eigentliche Problem doch tiefer liegen. Entzündungen oder gar Abszesse im Maul-, Kiefer- oder Zahnwurzelbereich sind oftmals die Ursache für falsches kauen aufgrund von Schmerzhaftigkeit. Was wiederum zur Folge hat das sich die Zähne falsch abnutzen und mit öder Regelmäßigkeit Probleme auftauchen. Wird ein solcher Prozess übersehen kann dies eine lange und frustrierende Odyssee durch die umliegenden Tierarztpraxen zur Folge haben. Daher ist das Röntgen des Schädels aus verschiedenen Ebenen in solch einem Fall sicher kein Luxus. Leider schrecken viele Besitzer vor der dafür nötigen Narkose zurück, aber welches  Meerschweinchen oder Kaninchen, lässt sich einfach mal so den Kiefer aufsperren und aus vier verschiedenen Ebenen das Maul ablichten? Hier kann eine kurze Inhalationsnarkose mittels Maske oder eine Beruhigungsspritze (Sedation) die eingehende Untersuchung, ggf auch Behandlung ermöglichen. Das Bild zeigt das Röntgenbild eines Kaninchens mit Zahnwurzelentzündungen im Bereich der Schneidezähne sowie eine Stufenbildung an den Backenzähnen.

Heimtierzähne, insbesonders die Schneidezähne, werden nicht mit einer Zange gekürzt. Aufgrund der  hierbei entstehenden ungleichmäßigen Druckverteilung kann der Zahn einerseits splittern, andererseitskann es zur Ausbildung von Längsrissen kommen, die sich bis in die Zahnbildungszone fortsetzen. Dies kann zur Folge haben, das die Bildung der Zahnsubstanz gestört ist und der Zahn fehlerhaft wächst, was wiederum in eine Zahnfehlstellung mündet. Wir verwenden hierfür eine Diamanttrennscheibe, die mit einer druckluftbetriebenen zahnärztlichen Turbine angetrieben wird. Nur hiermit können die Schneidezähne korrekt gekürzt werden. Auch die Backenzähne werden mit einer Diamantfräse geglättet, wobei die Zunge und Mundschleimhaut durch eine Schutzhülse vor der sich schnelldrehenden Fräse geschützt wird. Die Abbildung zeigt einige unserer speziellen, für Heimtiere entworfenen Zahninstrumente.

Bei einigermaßen ruhigen Tieren ist oft nicht einmal eine Narkose für eine einfache Zahnbehandlung nötig. Anders sieht es aus, wenn die Tiere sich extrem aufregen oder das eigentliche Problem z.B. ein Abszess ist. Hier kommt man an einer Narkose leider nicht vorbei, will man die Zähne wirklich gründlich sanieren. Auch eine falsche oder ungenügende Zahnbehandlung kann der Grund für dauerhafte Schäden am Heimtiergebiss sein.

Sollte eine Operation bei Ihrem Tier anstehen, bieten wir modernste Narkoseverfahren, auch Inhalationsnarkosen, um Risiken soweit wie möglich auszuschliessen.
Das Foto zeigt unsere Zahnstation mit einem Inhalationsnarkosegerät inkl Überwachungsgeräten.

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